Wohnquartier Amberg II

Wohnquartier

Im Rahmen der Konversion der Ritter-v.-Moehl-Kaserne in Amberg entsteht im Bereich des ehemaligen Exerzierplatzes ein zweiter Bauabschnitt zu den bereits erstellten 32 Niedrigenergiehäuser. Südlich des neuen Quartiersplatzes wird das kompakte eigenständige neue Wohnquartier als dichter Teppich ins Geviert der bereits einer Wohnnutzung zugeführten Bestandsgebäude eingefügt. Die abschliessende nördliche Zeile vermittelt über ein durchlaufendes Dach mit Torfunktion zum Quartiersplatz mit der sich dort befindenden Gartenwirtschaft. Das Projekt wird von der Obersten Baubehörde im Modellvorhaben „Das bezahlbare eigene Haus“ gefördert. Von der südlich gelegenen Erschliessungsstrasse entwickelt sich ein Konzept aus zwei parallelen südorientierten Bebauungsstrukturen. In Quartiersmitte entsteht ein kleiner Platz mit Bäumen und Spielmöglichkeit. Der Innenbereich dient als Mischfläche der Erschliessung mit Raum zum Spielen und Kommunizieren. Durch die zonierte Flächenaufteilung von Wohnweg, nördlichem Erschliessungshof und südlichem Gartenhof entsteht ein qualitativ hochwertiges Aussenraumgefüge unterschiedlicher Nutzbarkeit.

Haustypologie

Mit konsequenter Südorientierung werden die Häuser analog zum ersten Bauabschnitt jedoch mit weiter optimiertem Niedrigenergiekonzept errichtet. Der bereits bewährte Haustypus mit minimaler Tiefe, sonnigen Zimmern und vor allem breit angelegten Gärten konnte noch weiter entwickelt werden. Große Öffnungen mit temporär zu schließenden Klappläden für Sonnen- und winterlichen Wärmeschutz dienen dem erhöhten solaren Energiegewinn. Die zonierte Grundrißstruktur mit konsequenter Südorientierung ermöglicht in Verbindung mit der Niedrigenergiebauweise eine sehr günstige Energiebilanz. Die Tragstruktur des Gebäudes ist auf eine möglichst flexible Raumanordnung ausgerichtet. Sämtliche quer zur Längsachse stehenden Innenwände sind nichttragend und somit den individuellen Wünschen folgend in der Anordnung frei wählbar. Für eine vielfältige und möglichst lebendige Bewohnergemeinschaft gibt es verschiedenartige und individuelle Haustypen. Als kleinste Einheit gibt es das sogenannte Starterhaus für kleine Familien mit 3 Zimmern und ca. 86 m2 Wohnfläche. Das Sonnenhaus als häufigst nachgefragter Typ ist ein großzügiges 4-Zimmer Haus mit ca. 100 m2 Wohnfläche. Gegenüber dem ersten Bauabschnitt kann ein Großteil der Häuser in attraktiver Ecklage angeboten werden.

Bauweise

Die bereits im ersten Bauabschnitt eingesetzten Materialien und Bauweisen sind nochmals hinsichtlich Kostengünstigkeit bzw. Ausführungsqualität optimiert worden. Das elementierte aditive Grundrißschema ist Grundlage für eine typisierte Gebäudekonstruktion in Massivbauweise die auch eine Fertigteilverwendung zulässt. Ein 16cm starkes Wärmedämmverbundsystem mit Putzoberfläche ermöglicht trotz begrenztem Budget Niedrigenergiestandard. Einzelne farbig abgesetzte Holzbauteile an Vorbauten kontrastieren in Verbindung mit den bewegten Holzklappläden die ruhigen weißen Putzflächen. Die Dachkonstruktion besteht aus vorgefertigten kostengünstigen Nagelplattenbindern mit oberseitiger Blecheindeckung auf Holzschalung. Durch die unterseitige Verkleidung an den Überständen  erscheinen die Dächer als von der Fassade abgesetzt schwebende Scheiben. Trotz des begrenzten Budgets erfolgt eine qualitätvolle Materialwahl mit hoher Nachhaltigkeit. Durch die klare Grundrißstruktur und angestrebte Systematisierung werden Bauwerkskosten unter 2000 DM brutto/m2 Wohnfläche inklusive Keller erwartet.

Energie

Sämtliche Gebäude sind über das vorhandene BHKW mittels Nahwärmeversorgungsleitungen zentral angebunden. Die optimierte Grundrißstruktur ermöglicht in Verbindung mit der Niedrigenergiebauweise einen Jahresenergiebedarf von nur ca 60 - 70 kWh/m2 pro Jahr. Dies bedeutet im Vergleich zu einem konventionell gebauten Haus eine Energieeinsparung um ca. ein Drittel. Die günstige Energiebilanz konnte ohne aufwendige technische Ausrüstung erreicht werden. Versuchsweise sollen als Zusatzmaßnahme vier typengleiche Häuser mit einer kontrollierten Wohnraumlüftung ausgestattet werden. Somit ist der Vergleich von Typen mit und ohne Wohnraumlüftung sowie unterschiedliches Nutzerverhalten hinsichtlich einer weiteren Energieeinsparung ermöglicht.

EG

OG

Fakten

Standort Dr.-Johann-Maier-Strasse 92224 Amberg
Typologie Neubau Wohnquartier
Bauherr Stadt Amberg
Wettbewerb 1. Preis, 1994
Status fertiggestellt 2000
Wohnfläche 1990 m2
BRI 11730 m3
Einheiten 20 WE
Bauweise Kalksandstein
Energiekonzept BHKW, Nahwärmeversorgung
Planung GAP, München
Freiflächen GAP, München
Fotografie Kaunat, Dittmann
Veröffentlichung "Wohnmodelle Bayern", Callwey 5/2004 · "Umweltverträgliches Bauen" Oberste 2003 · Wettbewerbe Aktuell 11/1994